Poesie und Lyrik

„Wahre Freundschaft besteht in der Einheit der Seelen, die es nur selten gibt auf dieser Welt“

Mahatma Gandhi

Der weiteste Weg

Dann folgst du den Weg,
dem weiten, nach Innen.
Fragst nicht mehr danach:
„Darf ich ihn beginnen“
Du gehst ihn von nun an,
trotzt Steinen und Schluchten,
Dein Weg führt auch immer
zu schützenden Buchten.
Mag mancher auch lächeln,
gehn den Weg auch nicht viele,
der Weg in das Inn´re
führt zum höchsten der Ziele.

René Grießbach

Erkenne dich

Dein Äuß´res, dein Inn´res, das alles bist du.
Erfahr, wer du bist, schau immer dir zu.
Sieh auf das, was du tust,
wie du schaffst, wie du ruhst.
Lache und weine, fühl Freude und Trauer
Egal was passiert, nichts von dem ist von Dauer.

Schau in deinen Spiegel, dein Erscheinungsbild an.
Dann siehst du, was manch andrer auch sehen kann.
Schon den Glanz deiner Augen,
den erkennt mancher nicht.
Das, was darin erscheint
ist aus dem Herzen das Licht.

Dein Herz, deine Augen können nicht lügen,
wer treu auf sein Herz hört, kann nicht betrügen.
Sieh dieses Bild
erkenn dich darin
Sei dir treu, sei du selbst
erkenn dich, und den Sinn.

René Grießbach

Zwiegespräch mit den Sternen

Ich schau zu den Sternen.
Sie flüstern mir zu:
»Ein Bestandteil der Schöpfung
bin ich und bist du.

Das Dasein der Kinder
der Schöpfung heißt Leben«,
so sagen die Sterne,
»allen ist es zu geben,

das Einz´ge was zählt,
alles andre zählt nicht.
Dieses Einz´ge heißt Liebe,
gibt dem Leben das Licht.

Dieses Licht lässt uns leuchten«,
erklär´n mir die Sterne,
»uns hier oben am Himmel
euch auf Erden auch gerne.

Lebt nur Liebe, gebt sie,
allen Dingen auf Erden
gebt Liebe und Freundschaft,
sie ist der Quell, das zu werden,

was die Schöpfung verlangt,
von uns allen, zu sein.
Würd´ges Teil dann von ihr,
und nichts andres zu sein.«

Dann wird es hell,
die Sterne verblassen,
jedoch der Kern ihrer Botschaft
wird mich niemals verlassen.

Ich danke der Schöpfung,
ich geh in den Tag.
Geb Liebe und Freundschaft
weil das Leben ich mag.

René Grießbach

Freundschaft

Wenn Jemand schlecht von deinem Freund spricht,
Und scheint er noch so ehrlich: glaub‘ ihm nicht!
Spricht alle Welt von deinem Freunde schlecht:
Misstrau‘ der Welt und gib dem Freunde Recht!
Nur wer so standhaft seine Freunde liebt,
Ist wert, dass ihm der Himmel Freunde gibt.
Ein Freundesherz ist ein so selt’ner Schatz,
Die ganze Welt böte nicht dafür Ersatz;
Ein Kleinod ist’s voll heil’ger Wunderkraft,
Das nur bei festem Glauben Wunder schafft –
Doch jedes Zweifels Hauch trübt seinen Glanz,
Einmal zerbrochen wird’s nie wieder ganz.
Drum: wird ein solches Kleinod dir beschert,
O trübe seinen Glanz nicht, halt es wert!
Zerbrich es nicht! Betrachte alle Welt
Als einen Ring nur, der dies Kleinod hält,
Dem dieses Kleinod selbst erst Wert verleiht,
Denn wo es fehlt, da ist die Welt entweiht.
Doch würdest du dem ärmsten Bettler gleich,
Bleibt dir ein Freundesherz, so bist du reich;
Und wer den höchsten Königsthron gewann
Und keinen Freund hat, ist ein armer Mann.

Friedrich von Bodenstedt

Wert der Freundschaft

So feurig, unverfälscht und rein,
wie unsers Vaterlandes Wein,
muß Freundschaft sein; fest muß sie halten,
wenn auch des Schicksals Mächte schalten;
Sie kann uns Seligkeit bereiten,
selbst wenn wir mit dem Unglück streiten,
und nimmer reizt selbst Krösus Gold
den Glücklichen, dem sie ist hold;
er wird nicht nach dem Glücke laufen,
um das sonst Menschenkinder raufen,
und wenn die Freunde Freund ihn grüßen,
kann keine Unbild ihn verdrießen.

Franz Grillparzer

Das Geschenk

Frühmorgens bekam ich ein Geschenk:
einen Tag Leben,
liebevoll verpackt
und mit einem Kärtchen dran:
”Mach was draus!”

Tagsüber trug ich es mit mir,
dachte jedoch kaum daran,
ließ mich vom Alltag einnehmen,
verlebte den Tag;
lebte ich ihn?

Spätabends
gab ich den Tag zurück:
leer wog er in meiner Hand.
Da merkte ich erst,
dass ich mein Geschenk
nicht einmal richtig ausgepackt hatte.

Elisabeth Pernkopf

Gott hat mir…

…Augen gegeben, um die Schönheit dieser Welt zu sehen,
und das Leid auf der Erde nicht zu übersehen.

…Ohren gegeben, um Menschen wahrzunehmen und ihre
Fragen und Antworten zu hören.

…einen Mund gegeben, um zu lachen und Worte zu sprechen wo es nötig ist,
und zu schweigen wo Stille angebracht ist oder Worte vergeblich wären.

…Arme gegeben um Große und Kleine zu umarmen, bei Kummer oder Freude
und Hände um zu streicheln oder Tränen wegzuwischen.

…Beine gegeben um meinen Weg zu gehen
und Füße um Spuren zu hinterlassen.

…einen freien Willen gegeben, zu unterscheiden zwischen
richtig und falsch bzw. Gut und Böse.

…Sinne gegeben um Verzweiflung und Schmerz wahrzunehmen
und fröhliche Erlebnisse und gute Erfahrungen zu genießen.

…ein Herz gegeben – um zu Leben
und das schlägt für Menschen, die ich lieb habe.

Mein Gott ist ein Gott, der mir die Hand reicht, wenn ich in Löcher falle
oder über Steine stolpere die ich nicht sehe auf meinem Weg.

Mein Gott ist ein Gott der meine Tränen trocknet und
sich mit mir freut, wenn ich glücklich bin.

Mein Gott ist der Gott zu dem ich Vater sagen darf!

Citrella

Touch of the Master´s hand

It’was battered and scarred, and the auctioneer
Thought it scarcely worth his while
To waste much time on the old violin,
But held it up with a smile.
„What am I bidden, good folks,“ he cried,
„Who’ll start the bidding for me?“
„A dollar, a dollar,“ then, two! Only two?
„Two dollars, and who’ll make it three?
„Three dollars, once; three dollars, twice;
Going for three . . . „But no,
From the room, far back, a grey haired man
Came forward and picked up the bow;
Then, wiping the dust from the old violin,
And tightening the loose strings,
He played a melody pure and sweet
As a caroling angel sings.
The music ceased, and the auctioneer,
With a voice that was quiet and low,
Said: „What am I bid for the old violin?“
And he held it up with the bow.
„A thousand dollars, and who’ll make it two?
Two thousand! And who’ll make it three?
Three thousand, once; three thousand, twice;
And going and gone,“ said he.
The people cheered, but some of them cried,
„We do not quite understand
What changed its worth?“ Swift came the reply:
„The touch of a master’s hand.“
And many a man with life out of tune,
And battered and scarred with sin,
Is auctioned cheap to the thoughtless crowd,
Much like the old violin.
A „mess of potage,“ a glass of wine;
A game, and he travels on.
He is „going“ once, and „going“ twice,
He’s „going“ and almost „gone.“
But the Master comes and the foolish crowd,
Never can quite understand
The worth of a soul and the change that’s wrought
By the touch of the Master’s hand.

by Myra Brooks Welch

Die Berührung des Meisters

Alt war sie, zerkratzt, und der Auktionator
hielt es kaum der Mühe für wert,
sich mit der alten Geige überhaupt abzugeben,
aber lächelnd hielt er sie hoch:
„Was bietet ihr, gute Leute“, rief er,
„wer macht das erste Angebot?“
„Einen Dollar, einen Dollar“, dann „zwei!“ „Nur zwei?
Zwei Dollar und wer bietet drei?
Drei Dollar zum ersten, drei Dollar zum zweiten,
drei Dollar, dann gehört sie Ihnen.“ Aber nein –
von ganz hinten kam ein grauhaariger Mann
nach vorn und nahm den Bogen zur Hand;
er wischte den Staub von der alten Geige,
stimmte die losen Saiten neu
und spielte dann eine reine, süße Melodie,
die so klang wie Engelsgesang.
Die Musik verklang und der Auktionator
sagte mit leiser Stimme:
„Was wird für die alte Geige geboten?“
Und er hielt sie mit dem Bogen hoch.
„Tausend Dollar, wer bietet zwei?
Zweitausend! Und wer bietet drei?
Dreitausend zum ersten, zum zweiten, zum dritten – jetzt gehört sie Ihnen!“ sagte er.
Die Leute jubelten, aber manche riefen auch:
„Wir verstehen das nicht!
Warum ist sie auf einmal soviel wert?“
Rasch kam die Antwort:
„Das war die Hand des Meisters.“
Und viele Menschen, die das Leben aus der Bahn
geworfen hat, die von Sünde entstellt sind,
werden von der gedankenlosen Menge verworfen –
so wie die alte Geige.
Ein „Linsengericht“, ein Glas Wein,
ein Spiel – und er reist weiter.
Niemand will ihn mehr, fast ist alles aus.
Aber der Meister kommt, und die törichte Menge
kann es nie so recht verstehen:
wie viel eine Seele wert ist und welche Veränderung
die Hand des Meisters vollbringen kann.

Übersetzung ins Deutsche

Der Weg zum Herzen des Berges

Als ich am Fluss vorbeikam,
merkte der Fluss, dass ich ihn liebend ansah.

Gestern, als ich mich vor der alten Tanne verneigte,
ließ sie einen Zapfen zu mir herabfallen,
den ich zu Hause auf meinen Arbeitstisch legte.

Als ich wie ein Bruder
zur dunklen Wolke sprach
ließ sie plötzlich die Sonne durch.

Die Schlucht hätte sich schließen
und mich erdrücken können,
aber weil ich sie darum gebeten hatte,
wies sie mir den Weg zum Herzen des Berges.

Als ich auf der weiten Ebene stand,
an deren Enden die Welt abfällt,
wollte ich nicht größer sein als sie,
da erhob sie mich und zeigte mir
eine andere Größe als die, die ich kannte.

Als ich den Apfel in die Hand nahm
und seine Vollkommenheit sah,
da begann er von innen zu leuchten.

Ulrich Schaffer

Beten

Ich meinte erst,
Beten sei Reden.
Als aber mein Gebet
immer andächtiger und
innerlicher wurde,
da hatte ich immer
weniger und weniger
zu sagen.
Zuletzt wurde ich
ganz still.

Ich wurde, was der
große Gegensatz
zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.

So ist es:

still werden und
still sein und
warten bis der
betende Gott hört.

Sören Kierkegard

Dankbrief

Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben.
Sie haben meine Fantasie beflügelt.

Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten.
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben.
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.

Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben.
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.

Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben.
Sie haben meinen Trotz geschürt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben.
Sie haben mir Raum gegeben für Neues.

Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben.
Sie haben mich wachsam werden lassen.

Ich danke allen, die mich verletzt haben.
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.

Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben.
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Ich danke allen, die mich verwirrt haben.
Sie haben mir meinen Standpunkt klar gemacht.

Karin E. Leiter

Vier Kerzen

Eine Kerze für den Frieden,
die wir brauchen,
weil der Streit nicht ruht.

Für den Tag voll Traurigkeiten
eine Kerze für den Mut.

Eine Kerze für die Hoffung
gegen Angst und Herzensnot,
wenn Verzagtsein unsren Glauben
heimlich zu erschüttern droht.

Eine Kerze, die noch bliebe
als die wichtigste der Welt:
eine Kerze für die Liebe,
voller Demut aufgestellt,

dass ihr Leuchten den Verirrten
für den Rückweg ja nicht fehlt,
weil am Ende nur die Liebe
für den Menschen wirklich zählt.

aus: Ich wünsche dir Zeit, © Don Bosco Verlag, München, 5.Aufl. 2010
http://www.ellimichler.de und http://www.elli-michler.childrentooth.de
Vielen Dank an die Tochter für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung

Danke

Danke für die starken Hände,
die ihr helfend mir gereicht.
Dass ihr auch in schweren Zeiten
nicht von meiner Seite weicht.

Danke für das warme Lächeln,
das mich hier Willkommen heißt.
Für die, wenn auch bitt´re, Wahrheit,
die den rechten Weg mir weist.

Danke für so viele Dinge,
die ich kaum benennen kann.
Für den Frohsinn und das Lachen
auch für Tränen – dann und wann.

Dafür, dass ich euch gefunden – dank ich Gott in stillen Stunden.

Anita Menger

Danke für das Himmelblau

Danke für das Himmelblau.
Danke für die Nebelschwaden.
Danke für den Morgentau
im gewebten Spinnenfaden.

Danke für den Straßenstaub.
Danke für die Apfelsine.
Danke für verwelktes Laub
und den Fleiß der Arbeitsbiene.

Danke für den Weihnachtsmann.
Danke für den Nieselregen.
Danke für den Lebensplan
und den Gottessegen.

Roman Herberth

Ich danke Gott

Ich danke Gott und freue mich
Wie’s Kind zur Weihnachtsgabe,
Daß ich hier bin!
Und daß ich dich
Schön menschlich Antlitz habe.

Daß ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen kann.

Gott gebe mir nur jeden Tag.
So viel ich darf zum Leben,
Er gibt’s dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt‘ er’s mir nicht geben!

Matthias Claudius

Am Anfang war die Zärtlichkeit

Am Anfang war die Zärtlichkeit
denn sie ist seit Urbeginn die Hand Gottes –
die Hand der Liebe

Sie türmte die Wellen des Meeres
und setzte die Schaumkronen an ihren Saum
Sie strich den Spiegel der Seen glatt
und gab dem Tautropfen seinen Glanz
Sie formte der Berge mächtige Gestalt
und der Felder weiche Weite

Am Anfang war die Zärtlichkeit

Sie formte die glatten Oliven
und gab den Trauben die pralle fruchtige Fülle
Sie schuf die rauhe Rinde der Eichenbäume
und strich die zerknitterten Mohnblüten glatt
Sie gab dem Getreide die goldene Schale
und der Nuss den süßen Kern

Am Anfang war die Zärtlichkeit

Sie malte den Schmetterlingsflügeln Farbe
und wob Spinnennetze feiner als Seide
Sie kraulte das Fell der Bären und Löwen
und formte die glatten Silberschuppen der Fische
Sie hob die Vögel zum ersten Flug
und schlängelte die Echsen
und Schlangen in den Sand

Am Anfang war die Zärtlichkeit

Sie formte dein Ohr und dein Herz
damit du hörst und lauschst
Sie berührte durch deine Augen die Seele
damit du siehst und erkennst
Sie gab dir Hände und Haut
damit du sie weiterschenkst

Am Ende wird die Zärtlichkeit sein
wenn du hineinsinkst in die Hand Gottes

Elisabeth Bernet: Im gefällten Baum nistet kein Vogel, erschienen im
Paulusverlag/Freiburg (Schweiz)

Over the rainbow

Somewhere over the rainbow
way up high,
there’s a land that I heard of
once in a lullaby.

Somewhere over the rainbow
skies are blue,
and the dreams that you dare to dream
really do come true.

Someday I’ll wish upon a star
and wake up where the clouds are far behind me.
Where troubles melt like lemon drops
away above the chimney tops
that’s where you’ll find me.

Somewhere over the rainbow
bluebirds fly.
Birds fly over the rainbow.
Why then, oh why can’t I?

If happy little bluebirds fly
beyond the rainbow,
why, oh why can’t I?

Text: E. Y. Harburg
Musik: Harold Arlen

Über dem Regenbogen

Irgendwo über dem Regenbogen,
ganz oben,
gibt es ein Land, von dem ich einmal
in einem Schlaflied hörte.

Irgendwo über dem Regenbogen
ist der Himmel so blau,
und die Träume, die Du zu träumen gewagt hast,
werden Wirklichkeit.

Eines Tages werde ich mich auf einen Stern wünschen
um aufzuwachen, wo die Wolken weit hinter mir sind,
wo Probleme wie Tropfen Zitronensaft schmelzen,
weit weg über den Schornsteinspitzen,
dort wirst Du mich finden.

Irgendwo über dem Regenbogen
fliegen blaue Vögel.
Vögel die über den Regenbogen fliegen.
Warum, oh warum kann ich das nicht?

Wenn glückliche kleine blaue Vögel
jenseits des Regenbogens fliegen,
warum, oh warum kann ich es nicht?

E. Y. Harburg

Wer jeden Tag sagen kann:
„Ich habe gelebt“,
dem bringt jeder Morgen
einen neuen Gewinn.

Lucius Annaeus Seneca


(Erstveröffentlichung: 15.07.2017. Aktualisiert: 01.01.2019)

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