Gedichte und Verse

„You can chase a butterfly all over the field and never catch it. But if you sit quietly in the grass it will come and sit on your shoulder“

 

Sie war ein Blümlein


Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
der selig an der Blume hing.
Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
am hübschen Blümlein auf und ab.
Ach Gott, wie das dem Schmetterling
so schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten ihn entsetzt,
das Allerschlimmste kam zuletzt
ein alter Esel fraß die ganze
von ihm so heiß geliebte Pflanze.

(Wilhelm Busch)

Nachtfalter


Nachtfalter kommen verloren
Wie Gedanken aus dem Dunkel geboren,
Sie müssen dem Tag aus dem Wege gehen
Und kommen zum Fenster um hellzusehen.
Und in die Nachstille versunken,
Flattern sie zuckend und trunken,
Sie haben nie Sonne, nie Honig genossen,
Die Blumen alle sind ihnen verschlossen.
Nur wo bei Lampen die Sehnsucht wacht,
Verliebte sich grämen in schlafloser Nacht
Da stürzen sie in das Licht, sich zu wärmen,
Das Licht, das Tränen bescheint und Härmen:
Die Falter der Nacht, die Sonne nie kennen,
Sie müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen.

(Max Dauthendey)

 

Ein buntes Ding


Es war einmal ein buntes Ding,
ein sogenannter Schmetterling,
der war ein Falter
recht sorglos für sein Alter.
Er nippte hier und nippte dort,
und war er satt, so flog er fort,
flog zu den Hyazinthen
und guckte nicht nach hinten.
Er dachte nämlich nicht daran,
daß was von hinten kommen kann.
So kam’s, daß dieser Schmetterling
verwundert war, als man ihn fing.

(Heinz Erhard)

 

Der Papillon


Und in Papillons Gestalt
Flattr` ich, nach den letzten Zügen,
Zu den vielgeliebten Stellen,
Zeugen himmlischer Vergnügen,
Über Wiesen, an die Quellen,
Um den Hügel, durch den Wald.
Ich belausch ein zärtlich Paar;
Von des schönen Mädchens Haupte,
Aus den Kränzen schau ich nieder;
Alles, was der Tod mir raubte,
Seh ich hier im Bilde wieder,
Bin so glücklich, wie ich war.
Sie umarmt ihn lächelnd, stumm,
Und sein Mund genießt der Stunde,
Die ihm gütge Götter senden,
Hüpft vom Busen zu dem Munde,
Von dem Munde zu den Händen,
Und ich hüpf um ihn herum.
Und sie sieht mich, Schmetterling,
Zitternd vor des Freunds Verlangen
Springt sie auf, da flieg ich ferne.
– Liebster, komm, ihn einzufangen,
Komm, ich hätt es gar zu gerne,
Gern das kleine bunte Ding.

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

Schmetterlinge


Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört von Furcht, die Nacht entdecken.
… der wird zur Pflanze, wenn er will. Zum Tier, zum Narr, zum Weisen.
Und kann in einer Stunde durch das ganze Weltall reisen.
… der weiß, daß er nichts weiß, wie alle anderen auch nichts wissen.
nur weiß er, was die anderen, und auch er noch lernen müssen.
… wer in sich fremde Ufer spürt und Mut hat sich zu recken;
der wird allmählich, ungestört von Furcht, sich selbst entdecken.
Abwärts zu den Gipfeln seiner selbst blickt er hinauf.
Den Kampf mit seiner Unterwelt nimmt er gelassen auf.
… wer mit sich selbst in Frieden lebt, der wird genauso sterben:
und ist selbst dann lebendiger als alle seine Erben.

(Friedrich Freiherr von Hardenberg / Novalis)

 

Auf einer Blume


Auf einer Blume, rot und brennend, saß
ein Schmetterling, der ihren Honig sog,
und sich in seiner Wollust so vergaß,
daß er vor mir nicht einmal weiterflog.
Ich wollte sehn, wie süß die Blume war,
und brach sie ab: er blieb an seinem Ort;
Ich flocht sie der Geliebten in das Haar:
Er sog, wie aufgelöst in Wonne, fort!

(Friedrich Hebbel)

 

Der Schmetterling und die Rose


Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
umflattert sie tausendmal.
Ihn selber aber, goldig zart,
umflattert der liebende Sonnenstrahl.
Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?
Ich weiß nicht, in wen ist die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all‘:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.

(Heinrich Heine)

 

Die Raupe und der Schmetterling


Freund, der Unterschied der Erdendinge
Scheinet groß und ist so oft geringe;
Alter und Gestalt und Raum und Zeit
Sind ein Traumbild nur der Wirklichkeit.
Träg und matt, auf abgezehrten Sträuchen,
Sah ein Schmetterling die Raupe schleichen;
Und erhob sich fröhlich, argwohnfrei,
Daß er Raupe selbst gewesen sei.
Traurig schlich die Alternde zum Grabe:
„Ach, daß ich umsonst gelebet habe,
Sterbe kinderlos und wie gering,
Und da fliegt der schöne Schmetterling!“
Ängstlich spann sie sich in ihre Hülle,
Schlief, und als der Mutter Lebensfülle
Sie erweckte, wähnte sie sich neu,
Wußte nicht, was sie gewesen sei.
Freund, ein Traumreich ist das Reich der Erden.
Was wir waren? was wir einst noch werden?
Niemand weiß es; glücklich sind wir blind;
Laß uns eins nur wissen, was wir sind.

(Johann Gottfried Herder)

 

Kinderzeiten


Mir war ein Weh geschehen,
Und da ich durch die Felder ging,
Da sah ich einen Schmetterling,
Der war so weiß und dunkelrot,
Im blauen Winde wehen.
O du! In Kinderzeiten,
Da noch die Welt so morgenklar
Und noch so nah der Himmel war,
Da sah ich dich zum letztenmal
Die schönen Flügel breiten.
Du farbig weiches Wehen,
Das mir vom Paradiese kam,
Wie fremd muß ich und voller Scham
Vor deinem tiefen Gottesglanz
Mit spröden Augen stehen!
Feldeinwärts ward getrieben
Der weiß‘ und rote Schmetterling,
Und da ich träumend weiterging,
War mir vom Paradiese her
Ein stiller Glanz geblieben.

(Hermann Hesse)

 

Natur


Ob ich ein Moos, einen Kristall, eine Blume,
einen goldenen Käfer bewundere oder
einen Wolkenhimmel, ein Meer mit den gelassenen
Riesen-Atemzügen seiner Wellen oder
aber einen Schmetterlingsflügel mit der Ordnung
seiner kristallenen Rippen,
dem Schnitt und den farbigen Einfassungen seiner Ränder,
der vielfältigen Schrift und Ornamentik
seiner Zeichnungen und unendlichen,
zauberhaft gehauchten Übergängen
und Abtönungen der Farben
– jedesmal wenn ich mit dem Auge oder
mit einem anderen Körpersinn ein Stück Natur erlebe,
wenn ich von ihm angezogen und bezaubert bin und
mich seinem Dasein und seiner Offenbarung
für einen Augenblick öffne, dann habe ich
in diesem selben Augenblick die ganze
habsüchtige blinde Welt des menschlichen
Egoismus verlassen und vergessen,
und statt zu denken oder zu befehlen, statt zu erwerben
oder auszubeuten, zu kämpfen oder zu organisieren,
tue ich für diesen Augenblick nichts anderes
als „erstaunen“.

(Hermann Hesse)

 

Blauer Schmetterling


Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

(Hermann Hesse)

 

Wer Schmetterlinge lachen hört


Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.
Der wird zur Pflanze, wenn er will,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.
Er weiß, dass er nichts weiß,
wie alle andern auch nichts wissen,
nur weiß er was die anderen
und er noch lernen müssen.
Wer in sich fremde Ufer spürt,
und Mut hat sich zu recken,
der wird allmählich ungestört,
von Furcht sich selbst entdecken.
Abwärts zu den Gipfeln
seiner selbst blickt er hinauf,
den Kampf mit seiner Unterwelt,
nimmt er gelassen auf.
Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.
Der mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben.

(Carlo Karges)

 

Das Veilchen und der Schmetterling


Ein Veilchen auf der Wiese stand
an Baches Rand und sandte ungesehen,
bei sanftem Frühlingswehen
süßen Duft durch die Luft.
Da kommt auf schwankendem Flügel
ein Schmetterling über den Hügel
und senket zur kurzen Rast
zum Veilchen sich nieder als Gast.
Schmetterling:
Ei! Veilchen! Wie du töricht bist,
zu blühen, wo niemand dein genießt!
Veilchen:
Nicht ungenossen blüh ich hier,
ein Schäfer kommt gar oft zu mir
und atmet meinen Duft und spricht:
„Ein solches Blümchen fand ich nicht,
wei Veilchen du! Auf Wiesen, Auen
ist keines mehr wie du zu schauen!
Schmetterling:
`s ist schöner doch, glaub meinem Wort,
zu blühn auf freier Wiese dort,
in jener bunten Blumenwelt,
als hier im dunklen Schattenzelt!
Veilchen:
Hier bin ich meines Schäfers Wonne,
dort aber bleichet mich die Sonne,
und ohne Farbe, ohne Duft,
find ich zu früh dort meine Gruft,
drum blüh ich in der Einsamkeit,
wenn auch nur Einer mein sich freut.

(Nikolaus Lenau)

 

Der Schmetterling


Einen Schmetterling –
so zierlich schön –
habe ich heute
in unserem Garten gesehen.
Er flatterte
auf und ab
und brachte alles
um sich herum auf Trab.
Ich wollte ihn fangen,
doch nein – er war so klein,
und seine bunten Flügel
waren wie Sonnenschein.
Da flatterte er daher,
ganz leicht im Wind,
und die Zeit flog mit ihm fort,
so ganz geschwind.
Irgendwann – da hob er ab,
als ob er an einer Wolke hing,
und ich rief ihm noch hinterher:
„Auf Wiedersehen, mein Schmetterling!“.

(Peter Sens)

 

To a Butterfly


STAY near me–do not take thy flight!
A little longer stay in sight!
Much converse do I find in thee,
Historian of my infancy!
Float near me; do not yet depart!
Dead times revive in thee:
Thou bring’st, gay creature as thou art!
A solemn image to my heart,
My father’s family!
Oh! pleasant, pleasant were the days,
The time, when, in our childish plays,
My sister Emmeline and I
Together chased the butterfly!
A very hunter did I rush
Upon the prey:–with leaps and springs
I followed on from brake to bush;
But she, God love her, feared to brush
The dust from off its wings.

(William Wordsworth)

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